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Heißer Süden 2017

Großübung Heißer Süden 2017

Vorbereiten der Mimen.

Schon seit Wochen herrschte extreme Hitze und es hatte schon lange nicht mehr geregnet. Dann passierten zeitgleich an verschiedenen Stellen im und um den Schönbuch Katastrophen: Waldbrände, Gasexplosionen, Verkehrsunfälle, Unfälle im Wasser und im Gelände.

Zum Glück handelte es sich hierbei nur um eine Katastrophenschutzübung unter dem Namen "Heißer Süden". An der Übung am 14. Oktober 2017 waren insgesamt 2.300 Einsatzkräfte beteiligt - Feuerwehren, Polizei, Bundeswehr, THW, DRK, DLRG sowie andere Hilfsorganisationen. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Zusammenarbeit von haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften im Fall einer großen Katastrophe. Auch das Zusammenspiel mit Kliniken, Landwirten, Forst- und Naturschutz war Bestandteil der Übung. Um die Situation so real wie möglich darzustellen, wurden unter anderem über den gesamten Schönbuch verteilt an zehn unterschiedlichen Brandstellen Feuer entfacht und deren Bekämpfung geübt.

Ein weiterer sehr großer Einsatz wurde an der A81-Anschlussstelle bei Gärtringen geübt: hier war ein vollbesetzter Reisebus in einen Unfall mit zwei weiteren Fahrzeugen verwickelt und dabei auf die Seite gekippt. Bei diesem Szenario stellte die DLRG aus dem Kreis Böblingen unter der Leitung der Ortsgruppe Herrenberg die Verletzten, die aus dem verunglückten Bus gerettet werden mussten.

Der Bus wird vorbereitet.

Jasmin Maier, Leiterin Einsatz der DLRG Herrenberg und Ausbilderin für Realistische Unfall- und Notfalldarstellung, erläutert die DLRG-Beteiligung: "Das Ziel unseres Einsatzes lag darin, das Szenario möglichst realistisch darzustellen. Unsere Mimen wurden von der Feuerwehr aus dem schwer beschädigten Fahrzeug gerettet, dann von den Einsatzkräften des DRK erstversorgt und in die umliegenden Krankenhäuser transportiert."

Bevor es jedoch soweit war, dass der erste Verunfallte gerettet werden konnte, war einiges an Planung und Vorbereitung notwendig gewesen. Bereits im Vorfeld hatte es Planungstreffen und Besprechungen gegeben, bei denen die Verletzungsmutzer, die Einteilung der Verletzten, der genaue Zeitplan und sehr viele kleine Details diskutiert und festgelegt worden waren. Der Tag der Übung begann für unsere Mannschaft dann bereits sehr früh. Um 6:30 Uhr war Treffpunkt der einzelnen beteiligten DLRG-Ortsgruppen unseres Bezirks, um 7:00 Uhr rückten die insgesamt 63 Schminker und Mimen ins Feuerwehrhaus in Gärtringen ein.

Dort wurden die Verletzungen geschminkt und mit den einzelnen Mimen durchgesprochen. Unsere Schminker wurden dabei vom Schmink-Team des Jugendrotkreuzes unterstützt, um möglichst schnell fertig zu sein. Der Katalog an Verletzungen war dabei sehr bunt: Schrammen, Knochenbrüche, Amputationsverletzungen, Bauchtraumata, ein Herzinfarkt, Schädel-Hirntraumata und verschieden schwere Verbrennungen. In der Zwischenzeit bereiteten sich auch unsere Beobachter auf die Übung vor. Diese sollten später den sogenannten Mimschutz übernehmen, also aufpassen, dass im Eifer des Gefechts nicht versehentlich Fehler durch die Helfer gemacht wurden, die zu realen Gefahren für die Mimen werden konnten.

Letzte Besprechung, bevor es in den Bus geht.

Für den Shuttle zur Unfallstelle standen vier DLRG-Fahrzeuge zur Verfügung. Vor Ort hatten Mitarbeiter eines Abschleppunternehmens sowie Spezialisten der Feuerwehr bereits die beteiligten Unfallfahrzeuge präpariert und den Bus "umgeworfen". Für die meisten unserer Mimen war es die erste Übung in dieser Größenordnung und so beschlich den einen oder anderen durchaus ein beklemmendes Gefühl, als er in den zerstörten Bus stieg und seinen Platz im Inneren suchte. Pünktlich zur Alarmierung der über 200 Einsatzkräfte waren alle Verletzten auf ihren Positionen.

Es folgte der letzte Feinschliff: blutende Wunden wurden noch einmal frisch mit Blut versorgt, die unbeteiligten Fahrzeuge aus dem Einsatzbereich gebracht und die Mimschützer verteilten sich auf ihren Positionen. Pünktlich zur Alarmierung der über 200 Einsatzkräfte war alles vorbereitet.

Eine unserer Mimen war Stephanie Flohr. Sie war abseits der anderen Mimen in einem Auto eingeklemmt, das zuvor mit dem Bus kollidiert war und nun auf der Seite lag. Obwohl sie keine Anfängerin als Mime war und schon bei mehreren Großübungen dabei war, hatte sie anschließend Muskelkater. "Eine neue Situation ist es für mich, in einem Fahrzeug zu sein, das auf der Seite liegt. Die Perspektive ist ungewohnt. Ich hoffe, dass ich das nie in der Realität erleben muss." Sie war 15 Minuten vor Übungsbeginn in das Auto eingestiegen. Circa 30 Minuten hatte es gedauert, bis die Feuerwehr sie herausgeschnitten hatte. Eingeklemmt war sie zwischen Lenkrad und Tür und konnte sich dort kaum bewegen. Die Rettung erfolgte über die Windschutzscheibe und mit Hilfe eines Spineboards, das bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen zum Einsatz kommt.

Versorgung der Verletzten.

Die Rettung der Verletzten aus den Fahrzeugen lief sehr schnell ab. Danach folgte die Sichtung und Erstversorgung durch Kräfte des Rettungsdienstes und des Roten Kreuzes. Die Herausforderungen für unsere Mimen war es dabei, strikt bei ihrer Geschichte zu bleiben und während der gesamten Übung nicht davon abzuweichen. Nach der Sichtung durch die Notärzte wurde entschieden, welche Patienten zuerst und wohin transportiert wurden. Unsere Mimen wurden so nach und nach auf die verfügbaren Rettungs- und Krankenwägen verteilt und fiktive Krankenhäuser gefahren. Hier waren die Übungsbeobachter nun besonders gefordert, den Überblick zu behalten und sicherzustellen, dass den Mimen auch auf dem Weg zu den Fahrzeugen und ins Krankenhaus nichts passieren konnte.

Für uns verlief die Übung reibungslos und so war die gesamte Mannschaft kurz nach 13 Uhr wieder am Feuerwehrhaus, wo in Ruhe abgeschminkt und über die Erlebnisse des Tages gesprochen wurde. Der Tag war gleichermaßen für unsere Nachwuchs-Mimen wie auch für die alten Hasen eine besondere Erfahrung.

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