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Einsatzübung 2017

Einsatzübung 2017

Hier wird der Einsatz des Spineboards im Flachwasser geübt.

Um die Rettungsschwimmer auf den Einsatz im Naturfreibad vorzubereiten, findet einmal pro Jahr eine Einsatzübung statt. "An verschiedenen Stationen werden in Fallbeispielen Notfallsituationen möglichst realistisch dargestellt. Die DLRG Rettungsschwimmer werden in den einzelnen Szenen beobachtet und im Anschluss wird Feedback gegeben", so Jasmin Maier, im Vorstand der Ortsgruppe verantwortlich für den Bereich Wasserrettung. Die Besonderheit bei der jüngst stattgefundenen Übung: "Diesmal machen wir das mit einer realen Wachmannschaft bestehend aus dem DLRG Wachleiter, den Rettungsschwimmern als Wachgänger und dem Schwimmmeister".

Sich den Überblick über die Situation zu verschaffen, das Helferteam zu koordinieren, den Rettungsdienst zu alarmieren, die oder den Verunfallten zu betreuen - die Aufgaben für die DLRG sind beim Einsatz sehr vielfältig. Meist findet dieser unter hohem Zeitdruck statt. Die verunfallten Personen sind emotional recht angespannt. Es gilt in kürzest möglicher Zeit die beste Erstversorgung zu ermitteln, einzuleiten und anzuwenden. Gleichzeitig soll sich die oder der Verunfallte möglichst gut betreut fühlen.

Unsere Rettungsschwimmer werden auch an Land gefordert.

"Seitdem es in Herrenberg Schwimmbäder gibt, ist das DLRG immer mit Wasserrettern vor Ort. Unsere Rettungsschwimmer sorgen dafür, dass im Fall eines Falles schnell geholfen werden kann. Das Naturfreibad hat allerdings auch seine Besonderheiten. Dazu ist unsere Einsatzübung an Ort und Stelle eine sehr gute Vorbereitung", erläutert die 25-jährige Studentin. "Unsere Teilnehmer üben die Handhabung der Rettungsgeräte, wiederholen, was sie in der Ersthelferausbildung gelernt haben und lernen manche Herausforderung des Naturbades kennen." Dazu zählen das im Vergleich zum Chlorwasser getrübtere Wasser, die Pflanzenfilter und die relativ langen Wege.

Die Teilnehmer erleben bei jeder Übung eine Überraschung. Es gilt in unterschiedlichen und teilweise lebensbedrohlichen Situationen die angemessene Erstversorgung zu erkennen und die passenden Maßnahmen in die Wege zu leiten. Die Teilnehmer sollen beispielsweise eine mögliche Lebensmittelvergiftung erkennen, die richtig Erstversorgung einer in einem Fuß feststeckenden Scherbe durchführen sowie die sofortigen Maßnahmen bei einem Knochenbruch.

Eine Mime mit einer Scherbe im Fuß stellt Ann-Kathrin Brösamle (20) dar. "Wir üben, weil es ja tatsächlich passieren kann. Im Notfall ist man dann schon vorbereitet. Die Übung ist auch gut, um das Rettungsmaterial kennenzulernen. Als Mime geben wir Rückmeldung an die Wasserretter und Sanitäter, damit auch sie davon für den Ernstfall davon profitieren können."

Reanimation nach der Rettung eines Ertrinkenden aus dem Wasser.

Für die sehr natürlich aussehenden Szenen und Verletzungen zeichnet sich Stephanie Flohr (23) als Einsatzleiterin der Mimen verantwortlich. "Realistische Unfall- und Notfalldarstellung - kurz: RUND - kommt aus dem Film und Theater. Wir üben mit echter Filmkosmetik, damit die Verletzungen realistisch aussehen. Die Vorbereitung zu der Einsatzübung hat super geklappt, es läuft alles Hand in Hand. Die insgesamt sechs Mimen haben an elf Fallbeispielen zu je 20 Minuten in ihren Rollen gespielt. Man lernt als Mime auch viel dazu. Wenn man zum Beispiel gefroren hat, dann achtet man selbst beim Helfen mehr darauf, die Person warm zu halten."

Auch gab es im Wasser viele verschiedene Übungen. Bei diesen wurde auch das korrekte Anlegen einer Halskrause und dem Rettungsbrett, dem Spineboard, geübt. Beide Rettungsgeräte dienen zur sicheren Rettung bei Vorliegen von Anzeichen der Verletzung der Wirbelsäule. Alexander Bott (37), Polizeibeamter von Beruf, hat sich als Mime mit dem Spineboard retten lassen. Sein Feedback: "Im kalten Wasser an ein Brett gefesselt zu sein, ist ein seltsames Gefühl. Wenn die Retter loslassen würden, dann wäre man hilflos. Ein Grundvertrauen in die Retter ist wichtig. Bei den Teams war das der Fall."

Bei allen Übungen mit dabei war Moritz Stier, angehender Fachangestellter für Bäderbetriebe der Stadtwerke Herrenberg: "Die Einsatzübung ist eine tolle Gelegenheit, nicht nur um selbst in Übung zu bleiben, sondern auch für das Teaming aus Rettungsschwimmern und Angestellten der Bäderbetriebe. Außerdem sollte jeder die Erste Hilfe-Maßnahmen regelmäßig üben. Wenn es darauf ankommt, kann man dadurch das Leben eines Menschen retten, denn es ist nicht immer sofort ein professioneller Retter zur Stelle."

Zusammenarbeit zwischen DLRG und Bäderpersonal.

Die Ausbildung zum Rettungsschwimmer ist umfangreich. "An der einen oder anderen Stelle fehlt aber dennoch der Bezug zur Realität im Schwimmbad. Daher ist eine Einsatzübung genau richtig, um diese Lücke zu schließen. Es geht darum, zu lernen Menschenleben zu retten. Die Teilnehmer sollen klares Feedback bekommen über die Dinge, die bei den Übungen gut oder auch nicht so gut gelaufen sind", so Tobias Maier (29), Ausbilder für Rettungsschwimmer seit 11 Jahren.

Bei der Einsatzübung ist Marlena Maier (27) verantwortliche Ausbilderin für das Spineboard, ein wichtiges Rettungsgerät, dessen Verwendung in der Basisausbildung nicht erlernt wird. Sie ist bei der Übung auch tätig als Aufsicht für die Mimen. "Sie sollen sich realistisch verhalten und bei der Übung selbst nicht verletzt werden", so die hauptberufliche Erzieherin.

Der Höhepunkt des Übungstages war ein simulierter Wachdienst mit Notfall am Sprungturm. Eine Person mit Verdacht auf Verletzung der Wirbelsäule musste aus dem Sprungbecken geborgen werden. Dabei kam das Spineboard zum Einsatz. Gleichzeitig zog sich eine weitere Person an einer anderen Stelle des Schwimmbades eine Platzwunde zu. Bei dieser Übung spielte die Teamarbeit der DLRG-Wachgänger und des Schwimmmeisters eine wichtige Rolle.

Was zieht nun die Gastgeberin des Übungstages als Fazit? "Die Teilnehmer konnten in vielen wichtigen Übungen herausfordernde Situationen kennenlernen. Natürlich hoffen wir, dass die Badesaison möglichst unfallfrei verläuft. Und falls doch etwas passiert, sind wir gut darauf vorbereitet", so Jasmin Maier.