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Tierevakuierung 2018

Fortbildung Sicherheit bei Tierevakuierungen 2018

Abseilen eines Hundes.

Am Wochenende vom 22. und 23. September 2018 führte der DLRG Landesverband Württemberg den Lehrgang "Sicherheit bei Tierevakuierungen" in Bad Mergentheim durch. Die Einsatzkräfte der DLRG kommen speziell bei Hochwasserereignissen immer wieder in Situationen, in denen sie Haus- oder landwirtschaftliche Nutztiere evakuieren, bzw. diese Maßnahmen absichern müssen. Im Gedächtnis des Lesers sind vielleicht noch die Ereignisse aus dem Jahr 2013 rund um Deggendorf-Fischerdorf. Hier waren durch Dammbrüche plötzlich viele Rinderställe überflutet. Doch auch punktueller Starkregen oder Flutwellen (Dammbruch) können jederzeit Pferdeställe oder landwirtschaftliche Betriebe überfluten und eine Evakuierung erforderlich machen. Fraglich bleibt in solch einer Situation, wie man helfen kann.

Großtiere können auf fast keinem Motorboot transportiert werden, also gilt es eher die Tiere durchs Wasser zu leiten. Bei Schafen sieht dies anders aus, sie können gut transportiert werden, sofern man Fixierungstechniken kennt, oder Transportbehältnisse zur Verfügung stehen. Das Gros der Einsätze im Katastrophenfall sind jedoch Haustiere. Da bei Hochwasserlagen oftmals das Ergeschoss eines Hauses unter Wasser steht, müssen die Bewohner sowie ihre tierischen Mitbewohner über das Obergeschoss gerettet werden. Leitern sind das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, gesunde Bürger zu evakuieren. Nicht mehr gehfähige Bewohner können mittels Seiltechnik ins Boot gebracht werden. Doch wie kommt ein großer, ängstlicher und dadruch vielleicht gefährlicher Hund hinab? Diese Fragen wurden beim Lehrgang, der in dieser Form seit 2012 in Bad Mergentheim durchgeführt wird, beantwortet. So wurde zunächst theoretisch der Ablauf einer Hundeevakuierung aufgezeigt. Im weiteren Verlauf des zweitägigen Lehrgangs mussten die knapp Teilnehmer drei Hunde unterschiedlicher Größe und Alters an mehreren Stationen evakuieren.

Befestigungsmöglichkeit an einem Pferd.

Doch auch die Großtierarten Rind und Pferd wurden thematisiert. Der auf Rinder spezialisierte Tierarzt Dr. Neufeld war zum wiederholten Mal in die Kurstadt gereist, um den Einsatzkräften der DLRG, aber auch einiger örtlichen Feuerwehren, die Gefahren dieser Tiere nahe zu bringen, sowie Tipps zu geben, falls es zu einer Situation kommen sollte, in der Tiere akut am Ertrinken sind. Hier sei zu erwähnen, dass das weit verbreitete Gerücht, "Rinder würden hinten voll laufen" ins Reich der Phantasie gehört. Doch nach Stunden des Schwimmens sind die Tiere schlicht so entkräftet und oftmals auch ausgekühlt, dass der Ertrinkungstod droht. Dies ist bei eingentlich jedem großen Hochwasser traurige Realität.

Die Pferdewirtin Niels aus Aschaffenburg referierte über ihr Fachgebiet. Einsätze mit nur einem Tier sind bei Pferden weitaus häufiger als bei Rindern. Erklärbar durch die Tatsache, dass Ausritte logischerweise in unbekanntes Terrain führen, Rinder jedoch auf der vertrauten Weide stehen, zumeist sogar die Stallung nicht verlassen. Das Wissen um die Großtierrettung stammt oftmals aus England bzw. anderen angelsächsichen Ländern. Dort werden viel häufiger Seminare zum Thema Pferd im Schlamm/Watt, im Wassergraben, in einer Verklemmungssituation o.ä. für Einsatzkräfte aber auch Pferdebesitzer angeboten. Die lange Küstenlinie, das feuchtere Klima und die Bodenarten dort sind Ursache für mehr Einsätze mit Pferden.

Fixieren eines Schafes.

Frau Niels referierte in ihrem Vortrag, wo sich der Gefahrenbereich dieser Tiere befindet, wie sie kommunizieren, welche Besonderheiten die Herdenstruktur aufweist und vieles mehr. Im Praxisteil standen die Teilnehmer dann einem Pferd mit Stockmaß 179cm gegenüber. Diesem musste aus Seilen ein Strickhalfter angelegt und es aus der Box geführt werden. Auch die Stockschlinge wurde vorgeführt. Ein weiteres Tier, mit dem geübt wurde, war Haflinger Buddy von Tierpflegerin Barbara Tremmel. Mit ihm hat die Ortsgruppe Bad Mergentheim während des Sommers öfter verschiedene Verfahren im Wasser geübt, um ein schwimmendes Großtier am Boot zu fixieren, und ans sichere Ufer zu geleiten.

Doch auch die Schafe des Wildparks unterstützten dieses Jahr wieder die DLRG. An ihnen konnte man auf den weitläufigen Freiflächen das Treiben von Herdentieren anschaulich demonstrieren. Techniken, die bei der Schafschur genutzt werden, um die Tiere zu fangen und zu fixieren, wurden demonstriert und selbst geübt und helfen künftig dabei, wenn es darum geht, eine Herde zu evakuieren.

Am Sonntagnachmittag konnte den 26 Teilnehmern nach zwei lehrreichen Tagen eine Urkunde überreicht werden - unter ihnen drei aktive Strömungsretter der DLRG Ortsgruppe Herrenberg. Sie gehören nun zu einem kleinen Kreis geschulter Einsatzkräfte in der DLRG.